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Pioniere des Primitivo

oder: Was hat Wein eigentlich mit Musik zu tun?

 

Der "Altar" im "Spazio Primitivo": So wird bei Felline der Wein zelebriert.Der "Altar" im "Spazio Primitivo": So wird bei Felline der Wein zelebriert.
Wo andere mit Fähnchen und Faltblättern auf ihre Weine aufmerksam machen, ertönt an einem Stand der Vinitaly, Italiens wichtigster Weinmesse, belebende Klaviermusik. Doch es ist kein bezahlter Piano Player, der hier am Konzertflügel sitzt, sondern Gregory Perrucci, "Mister Primitivo" persönlich!

Vielleicht ist der Weg vom Musiker zum Weinmacher gar nicht so weit. Für beides braucht es viel Leidenschaft, Ausdauer und Gespür für die Feinheiten, die lauten und die leisen Töne, wenn man so will. Der Vater von Gregory Perrucci führte noch in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen gutgehenden Fassweinbetrieb, er selbst studierte lieber Musik auf dem Konservatorium und wurde Konzertpianist. Bis er seine Leidenschaft für den Primitivo entdeckte!

Im Einsatz für den Primitivo: G. PerrucciIm Einsatz für den Primitivo: G. Perrucci
Die Idee, diesem Wein die verdiente Bühne zu bereiten und die apulische Weinkultur zu retten, ließ ihn nicht mehr los, und so gründete er 1996 zusammen mit seiner Frau und ein paar jungen enthusiastischen Winzern die Vertriebsgenossenschaft Accademia dei Racemi, heute Felline.

So einiges hat sich seitdem getan in der apulischen Weinlandschaft. Perrucci und seine Accademia haben ihren Anteil an der Pionierarbeit, die dafür nötig war, um dem Primitivo in der Weinwelt einen Namen zu geben und ihn neben einigen anderen einheimischen Rebsorten zum charismatischen Gesicht des apulischen Weins zu machen. 

Primitivo di Manduria

Ein hervorragendes Terroir für den Primitivo ist die DOC Manduria an der ionischen Küste im Südwesten Apuliens. Die Reben wachsen hier häufig noch in der traditionellen "Bäumchen-Erziehungsform", als Alberello. Da sich die Reblaus, die Ende des 19. Jahrhunderts in Europa wütete, in den kargen Böden in Küstennähe nicht festsetzen konnte, existieren heute noch bis zu 100 Jahre alte wurzelechte Bestände. Winzer wie Perrucci wollen diese alte Kulturlandschaft bewahren und kaufen deshalb gezielt alte Alberello-Anlagen, die zwar arbeitsintensiv und von geringem Ertrag sind, aber auch fantastisches Traubenmaterial liefern.

Die Weine

Beim Apulien-Tasting, das der FALSTAFF im Oktober 2017 veranstaltet hatte, erreichten die Weine der Azienda Agricola Felline hervorragende Wertungen:

 

90 Punkte gab es für den Jahrgang 2016 des schon vielfach prämierten Primitivo di Manduria DOC Felline für 14,40 €, der auf der eisenreichen roten Erde im Manduria-Gebiet wächst. Die Verkostungsnotizen: "Intensives Purpurrot. Sehr vielschichtige Nase mit deutlichen Noten von getrockneten Feigen und Pflaumen. Am Gaumen trocken, mit ausgewogenem Säurespiel und würzigen Noten nach weißem Pfeffer, Bitterschokolade und Zwetschken."

 

Stolze 91 Punkte erhielt der Primitivo di Manduria DOC Dunico 2013 für 26,- €. Diese Alberellos wachsen direkt an der Küste auf Sanddünen. Auf diesem kargen Boden wurzeln die alten Reben tief, die Erträge sind extrem niedrig, der Primitivo dafür umso konzentrierter und kraftvoller. Die Verkostungsnotizen: "Tiefes Rubinrot mit leicht violetten Rändern. Sehr duftende Nase nach reifen Himbeeren, Traubenzucker und etwas Rauch. Saftig mit starkem Zug am Gaumen, etwas körniges Tannin, welches durch satte Noten von reifen Erdbeeren und Brombeeren getragen wird, mittlerer Nachhall."

 

Mit Musik geht alles besser

Fatalone und seine Primitivos aus der DOC Gioia del Colle

 

Sympathischer Visionär: Pasquale PetreraSympathischer Visionär: Pasquale Petrera
Weiter im Inland, etwa 50 km nördlich von Manduria, befindet sich die Ortschaft und die DOC Gioia del Colle. Hier, auf 365 m über dem Meeresspiegel, liegen die Weinberge der Familie Petrera vom Weingut Fatalone, wo man sich seit dem späten 19. Jahrhundert mit viel Leidenschaft und Pioniergeist dem Anbau von Primitivo widmet. Ganzheitlichkeit und Verbundenheit mit der Natur wird hier gelebt, was Fatalone in vielerlei Hinsicht zu einem sympathischen Vorzeige-Weingut macht. 1987 war es Filippo Petrera, der als Erster den Fassweinverkauf aufgab und Primitivo reinsortig unter der neugeschaffenen DOC Gioia del Colle selbst abfüllte. Sein Sohn Pasquale Petrera, der das Weingut heute zusammen mit seinem Vater in fünfter Generation betreibt, war einer der ersten Biowinzer Apuliens, und als der Visionär, der er ist, machte er es durch den Einsatz von Solarenergie zu einem der ersten CO2-neutralen Weingüter Italiens.

Und die Musik! In Petreras Keller reifen die Weine bis zu 12 Monaten in großen slawonischen Eichenfässern und werden in dieser Zeit mit Musik beschallt, klassisch oder mit Naturklängen unterlegt. Das Ziel: Die Föderung der Mikro-Oxidation und die Stimulierung der Mikroflora durch die Schwingungen, die die Fasswände als Membran weiterleiten. Man mag dies als esoterischen Hokuspokus abtun, ein Marketing-Gag ist es jedenfalls nicht. Pasquale Petrera hat selbst Versuchsreihen angestellt, in denen er die unterschiedliche Entwicklung seiner Weine in Fässern mit und ohne Musik beobachtete. Letztlich zählt natürlich das Endergebnis, und das sind die fantastischen Primitivos von Fatalone, die zum Langlebigsten gehören, was die Region zu bieten hat. Petreras Weine zeichnen sich durch eine große Eleganz aus, die nicht zuletzt der luftigen Höhenlage seiner Reben geschuldet ist. Der Primitivo wächst hier auf Muschelkalkböden, was ihm einen zusätzlichen mineralischen Schliff verleiht. Eine spezielle Charakteristik der Primitivos der DOC Gioia del Colle ist ein Nachhall von gebrannten Mandeln, der von einem geringen Anteil am Stock getrockneter Trauben herrührt, die dem Gärtank zugegeben werden. Und man liegt sicher nicht falsch, wenn man bei den Primitivos von Fatalone an einen Amarone della Valpolicella denkt.

 

Die Weine

Primitivo Gioia del Colle DOC U`PR`MAT`VE 2015 für 14,90 €: Rubinrote intensive Farbe mit violetten Schimmern. Duft und Geschmack mit der typischen Aromatik reifer Brombeeren, dazu Amarenakirschen und Zwetschken, ein Hauch von Gewürzen und balsamischen Noten. Eine perfekte Harmonie zwischen Geschmeidigkeit, Frische und Mineralität. Im Nachhall die für einen Primitivo aus Gioia del Colle typischen Noten gebrannter Mandeln.

 

Primitivo Gioia del Colle DOC Ris. U`PR`MAT`VE 2015 für 20,60 €: Intensiv Rubinrot mit granatfarbenen Reflexen. Typischer Duft nach sehr reifen Früchten, dazu leichte Röstnoten und Gewürze, balsamisch. Körperreich, dazu konzentrierte Mineralität und Frische, Würzigkeit, sehr ausgewogen, samtig, intensiver Geschmack von Amarenakirschen und Zwetschken mit Noten von reifen Brombeeren und Maulbeeren, dazu Gewürze wie Nelken und Kakao. Mit dem typischen Nachgeschmack von gebrannten Mandeln.
Reift 12 Monate im Stahltank, 12 Monate in slawonischer Eiche und 6 Monate auf der Flasche, bevor er in den Verkauf kommt.

 

 

Nicht in der Beschreibung:

Primitivo Tarantino Sinfarosa IGP 2017
9,50€*  |  0,75 l  |  12,67 €/l
Primitivo di Manduria DOP Felline 2016
14,40€*  |  0,75 l  |  19,20 €/l
Primitivo di Manduria DOP Dunico 2013
26,00€*  |  0,75 l  |  34,67 €/l
Primitivo Gioia del Colle DOC U`PR`MAT`VE 2015
14,90€*  |  0,75 l  |  19,87 €/l
Primitivo Gioia del Colle DOC Ris. U`PR`MAT`VE 2015
20,60€*  |  0,75 l  |  27,47 €/l

Apuliens rotes Gold

Apulien. Stiefelabsatz. Der Norden eine Tagesreise mit dem Auto entfernt. Ein Landstrich, umspült vom Meer, geprägt von den vielen Kulturen, die hier über die Jahrhunderte ihre Spuren hinterließen. Aber nicht nur architektonisch und landschaftlich hat Apulien viel zu bieten. In den letzten Jahrzehnten hat man sich auch auf sein landwirtschaftliches Erbe besonnen. Der Wein! Noch in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schätzte kaum jemand den Wert der einheimischen Tropfen, die als Verschnittweine für zweifelhafte Abfüllungen in großen Mengen nach Norditalien und ins Ausland verkauft wurden. Erst dann kam die Wende, iniziiert durch einige Pioniere, die das Potential der autochthonen Rebsorten wie Negroamaro, Nero di Troia oder Primitivo erkannt hatten und mit Stolz etwas Eigenständiges, Hochwertiges auf die Flasche bringen wollten.

Alles Primitivo?

Der bekannteste Wein Apuliens ist der Primitivo. Seine genetische Identität mit dem kalifornischen Zinfandel konnte inzwischen bewiesen werden, die eigentlichen Ursprünge der Rebsorte liegen jedoch in Kroatien, wo sie noch heute als Crljenak wächst. In Apulien wurde sie erstmalig vermutlich von Benediktinermönchen vor etwa 250 Jahren gepflanzt, die ihr aufgrund ihrer frühen Reife auch den Namen gaben: "primae maturae uvae", die "zuerst reifen Trauben."
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